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Chronische Hauterkrankungen

Paul EhrlichNobelpreisträger Paul Ehrlich

Wie entstehen chronische Hauterkrankungen wie Neurodermitis (=Atopisches Ekzem), Schuppenflechte (=Psoriasis vulgaris) oder kreisrunder Haarausfall (=Alopecia areata)?

Diese chronischen Hauterkrankungen haben eine gemeinsame Ursache: Körpereigene - falsch programmierte – Entzündungszellen greifen irrtümlich - nicht Bakterien oder Viren - sondern die eigene Haut an. Hierdurch verursachen sie ein langwieriges Entzündungsgeschehen in der Haut und zum Teil auch in anderen Gewebebereichen. Diese irrtümliche Entzündung körpereigener Strukturen nennt man Autoimmunerkrankungen. Die Veranlagung hieran zu erkranken, ist erblich bedingt. Obwohl diese Veranlagung vererbt ist, tritt die Erkrankung häufig erst aufgrund äußerer Faktoren, wie z.B. psychischer Stress, Infektionen, Medikamente, Allergien auf.

Ist dieser autoimmune Erkrankungsprozess erst einmal angestoßen worden, so kommt es auch nach Verschwinden ursprünglichen Auslöser in der Regel nicht zum Verschwinden der Erkrankung. Die einmal so ausgelösten Erkrankungen können dann jahrelang oder sogar lebenslang bestehen bleiben. Der Begriff „Autoimmunität“ wurde bereits um 1900 von Paul Ehrlich geprägt, der für seine Arbeiten 1908 den Nobelpreis für Medizin erhielt.

Je nach Angriffsort der autoimmunen - falsch programmierten - Entzündungszellen kommt es zu unterschiedlichen Krankheitsbildern:

Schematische Darstellung einer AutoimmunentzündungSchematische Darstellung einer Auto­immun­entzündung. Falsch program­mierte Entzündungs­zellen haben die Hautgefäße verlassen und greifen irr­tüm­licherweise Haut­bestandteile an.
  • Bei der Neurodermitis, und anderen chronischen Ekzemen (z.B. Hand- und Fußekzemen) bestehen oft Autoimmunreaktionen gegen Bestandteile des eigenen Körperschweißes sowie eine Reihe von anderen Hautantigenen. Häufig liegt darüber hinaus eine erbliche bedingte erhöhte Hautdurchlässigkeit gegenüber Umweltantigenen vor (sogenannter Filaggrin-Barrieredefekt). Psychischer Stress ist wegen seiner physiologischen Wirkung auf das Immunsystem besonders geeignet, einen entzündlichen Krankheitsschub auszulösen.
  • Nahrungsmittel können besonders bei Kindern mit Neurodermitis einen Krankheitsschub auslösen. So wurden bei in der Haut von Kindern mit Milchallergie Entzündungszellen nachgewiesen, die gegen Milcheiweiß gerichtete entzündungsauslösende Bindungsstellen hatten. Auch im Darm dieser betroffenen Kinder waren gegen Milcheiweiß gerichtete Entzündungszellen nachweisbar.
  • Bei der Psoriasis führt die Entzündung in der Haut über eine Freisetzung von Botenstoffen zur Vermehrung von Hautzellen bzw. der starken schuppenden Verhornung. Gleichzeitig besteht der Verdacht, dass diese Entzündung für das höhere Herzinfarktrisiko bei Psoriasispatienten verantwortlich ist. Bei Psoriasispatienten wurden Entzündungszellen in der Haut nachgewiesen, die sich auch gegen bestimmte Blutfettbestandteile richten, die häufig an der Entzündung von Gefäßwänden, Artherossklerose, beteiligt sind.
  • Häufig kommt es bei Psoriasis zu einer Entzündung der Gelenkschleimhaut und anderer gelenknaher Gewebe. Dies führt dann zu rheumaähnlichen schmerzhaften Beschwerden. Bei diesen Psoriasispatienten wurden in der Gelenkschleimhaut Entzündungszellen mit Bindungsstellen nachgewiesen, die denen in der Haut dieser Patienten ähnelten.
  • Bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia Areata) kommt es durch eine Entzündung der Haarwurzeln zum Haarverlust. Die autoimmune Entzündungsreaktion richtet sich hier u.a. gegen bestimmte Proteine (z.B. Trichohyalin). Dehnt sich diese Entzündung aus, kann es auch zum kompletten Verlust der gesamten Körperbehaarung kommen.
  • Bei Akne vulgaris kommt es zu einer Entzündung im Talgdrüsenbereich. Neben einer bakteriellen Infektion (Propionibacterium acnes), werden in jüngster Zeit auch mögliche autoimmune Vorgänge in einer sehr frühen Entzündungsphase diskutiert, die überschießende Entzündungsreaktionen auslösen können.
  • Zu weiteren autoimmunbedingten Hauterkrankungen, die zum Teil auch innere Organe befallen können, gehören u.a. Sklerodermie, Lupus erythematodes, Sarkoidose.